Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zweiter Band | |
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Sandsteinquadern, die bei dem Durchbruch des nobeln Fahrwegs, der aus der Tiefe der Stadt zum Plateau führt, gewonnen wurden. – Das Mittelgebäude ziert ein schöner Portikus, in dessen vorderen Reihe 6 dorische Säulen stehen, genaue Copien der am Theseum in Athen. Die in der Hauptfaçade hervor tretende Fronte der Flügelgebäude ist mit Hallen, die Säulen derselben Ordnung tragen, geschmückt. Die innere Einrichtung ist der Pracht des Aeußern entsprechend. Die Unterrichts-Säle sind 20 Fuß hoch, geschmackvoll dekorirt und zur Aufnahme von 800 Schülern geschickt. Mehre enthalten eine reiche Bibliothek, ein physikalisches Kabinet, naturhistorische Sammlungen und andere Hülfsmittel des Unterrichts, meistens Geschenke patriotischer Bürger. Eingeweiht wurde dieser Tempel für öffentliche Belehrung 1829. Die Anzahl der Schüler ist gegenwärtig ungefähr 800. –
Zu der anmuthigsten und reizendsten im ganzen Umkreise des romantischen Wunderlandes, gehört die Gegend, welche vom Liviner Thale bis nach Como hin sich erstreckt, und von deren Zauber der aus den Regionen des ewigen Eises herabsteigende Wanderer um so mächtiger ergriffen wird, da wenige Stunden vorher ihn sein Pfad noch über Schneegewölbe führte, unter denen der Tod lauscht, und ihn Lüfte begleiteten, schneidend und rauh, wie die Lüfte, welche den Schlitten des Lappländers umsaußen.
Zuerst am Lago Maggiore und Lago Lugano können die über den Gotthards- und Simplonpaß nach Latium Wallfahrenden sich mit dem freudigen Zurufe begrüßen, Italien! Denn erst an ihren Gestaden beginnt die Physiognomik der die Südländer charakterisirenden Gewächse. Die schirmförmigen Wipfel majestätischer Pinjen schweben wie Luftinseln im dunkeln Blau des italischen Himmels. Hochstämmige Kirschlorbeern spiegeln ihr glänzendes Laub in den Fluthen der crystallenen Seen. In den Gärten duften und grünen Pomeranzen, Citronen und Olivenbäume. Die amerikanische Agave und indische Stachelfeige bedürfen hier des schützenden, wärmenden Glashauses nicht mehr. Schon gegen Weihnachten entfaltet der schwarze Helleborus seine silbernen Prachtblumen
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zweiter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen und New York 1835, Seite 68. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_2._Band_6._Auflage_1835.djvu/76&oldid=- (Version vom 16.6.2024)